Allgemein

Musik gehört in die Kitas – mehr musikalische Aktivitäten wagen

Kinder entdecken und gestalten ihre Umgebung; in Kindertagesstätten gehört es zu den Bildungsvereinbarungen aller Bundesländer Kinder im musikalischen Bereich Möglichkeit zum Erproben und Experimentieren zu geben.

Doch gerade in der musikalischen Förderung gibt es von Seiten der Erzieherinnen oft große Vorbehalte – ich bin nicht musikalisch, also kann ich es Kindern auch nicht vermitteln oder wie mache ich es richtig?

Diese Zurückhaltung findet man in anderen Bildungsbereichen in Kindertagesstätten eher selten.

Um Musik für Kinder erfahrbar zu machen genügt es, Räume zu schaffen in denen explorieren möglich ist – die Materialien sind in allen Kindertageseinrichtungen vorhanden.

Zuerst gilt es:

ein offenes Konzept für Musik entwickeln

Musik ist immer da, ob Kinder Schuhe ausziehen oder den Tisch decken. In allen Situationen entstehen Geräusche, die sich in musikalische Muster umsetzen lassen. Begeben Sie sich auf die Suche mit den Kindern auf alltägliche Geräusche und werden Sie Klangsucher und Musikerfinder!

Nehmen Sie Geräusche, Klänge, Töne und Rhythmen wahr, setzen diese miteinander in Beziehung, explorieren und gestalten sie diese aktiv.

(Die Gruppe STOMP hat dieses Prinzip für ihre Performance erfolgreich weltweit auf die Bühne gebracht).

und

Seien Sie Klangsucher und Musikgestalter in der ganzen Kita

Raum für musikalische Konzepte gibt es überall, in fast jeder Situation ist es möglich, Klangsucher und Musikgestalter zu sein. Wichtig ist es, sich mit den Kindern auf die Spur begeben – didaktische Situationen können hier nicht vorstrukturiert werden, sondern lassen sich in der Regel erst im Nachhinein reflektieren.

Wie können Kinder derartig ergebnisoffen begleitet werden?

Musikalische Phänomene wahrnehmen und begreifen

Musikalische Situationen initiieren Überlegen Sie mit den Kindern welche Gegenstände klingen? Welche Gegenstände kann man zum Musik machen benutzen? Gibt es unterschiedliche Tonqualitäten eines Gegenstandes? Bringen Sie selber Gegenstände ein (Steine, Stöcke, Klangschalen, Stimme, Körpermusik…), es sollten Dinge sein, die das Interesse der Kinder wecken oder das Interesse der Kinder aufnehmen. Die Situationen zeigen ihnen in welche Richtung die musikalische Entdeckungsreise gehen kann, jede Reaktion der Kinder ist „Keim und Dünger“ für musikalische Gestaltungsprozesse.

Gestaltungsprozesse begleiten Achtsames Wahrnehmen der kindlichen musikalischen Entdeckungsreise ist das A und O. Was tut das Kind mit dem Stock, der Stimme, der Klangschale etc.? Was erzählt die Musik? Wie gestaltet das Kind die Musik? Begeben Sie sich in den Gestaltungsprozess wahrnehmen- explorieren-entscheiden-wiederholen-wahrnehmen und eventuell variieren. Beispiel Steinmusik: Ein großer Stein liegt zwischen den Kindern. Sie beginnen, ihn abwechselnd über den Teppich zu schieben. Das Schiebegeräusch variiert, abhängig von der Kraft, die die Kinder auf den Stein ausüben und der Schiebedauer. Nach dem ersten Eindruck versuchen die Kinder ein möglichst langes Geräusch zu erzeugen, indem sie ohne Unterbrechung möglichst durchgängig schieben. Manchmal stockt die Schiebebewegung, dadurch entstehen rhythmische Strukturen. Weiter Fragen entstehen: Wäre es möglich den Stein geräuschlos zu verschieben? Kann ein Stein von Person zu Person weitergeschoben werden, ohne dass das Geräusch stockt oder aufhört? Wie klingt es, wenn beim Steineschieben zwei Pausen eingelegt werden? Diese Ergebnisse können mit den Kindern variiert werden in Klangqualität, Tempo, Dauer und Lautstärke – eine musikalische Form entwickelt sich durch Wiederholen, Variieren und Kontraste setzen.

Musikalische Ergebnisse sichern 

Die Ergebnisse können folgendermaßen gesichert werden.

– Singendes Nacherzählen der Musikerfahrung

– Benennen, was gespielt wird

– Ereignis mehrmals wiederholen auch mit anderen Instrumenten

– Musik aufschreiben (z.B. in Wellenbewegungen oder Zickzacklinien etc.)

– Zuhörer finden, denen das Ergebnis vorgespielt wird

– mit einem Diktiergerät Ergebnisse festhalten und jederzeit repitieren.

Bedeutungen erfassen

Diese spontane und intuitive Begleitung von kindlicher musikalischer Exploration erfordert eine reflektierende Nachbereitung um die Bedeutung für die Kinder zu erfassen. Am besten in einem Gespräch mit den Kindern.

Welche Erfahrungen wurden gemacht? Was war gut, was hat gestört? Welche Geräusche/ Töne/ Musik hat gefallen? Wie lief die Kooperation zwischen den Kindern? Wie war es, mal Bestimmer, mal Mitmacher zu sein? Welche Gefühle gab es? Können die Kinder über ihre Erfahrungswelt sprechen?

Kindern Resonanz geben

Ganz wichtig ist es den Kindern ein Feedback zu geben. Was wird bei Ihnen ausgelöst, wenn die Kinder aus Steinen eine Steinmusik kreieren? Und selbst die ganz Kleinsten in der Kita sich musikalisch Ausprobieren? Lauschen Sie hin und geben Sie den Kindern Rückmeldungen!

Fazit:

Entdeckendes Lernen ist der Motor kindlicher Entwicklung, das kann auch im Bereich Musik gelingen, wenn in der Kita eine Umgebung vorzufinden ist, die mit Räumen und Materialien und einer offenen Haltung von Erwachsenen, Möglichkeiten gibt sich mit den Kindern auf die Suche zu begeben. Die Umsetzung ist mit wenigen Materialien und ohne teure Instrumente möglich.

weiterführende Literatur:

Johannes Beck-Neckermann: Mit Kindern Musik entdecken, Kallmeyer Verlag

ISBN 978-3-7800-8033-2, 16,95 €

Dorothee Keusch-Jakob: Musik macht klug- Wie Kinder die Welt der Musik entdecken, Kösel Verlag, ISBN 3-466-30496-2

DSCF5638

Standard
Allgemein

Lesespaß wohnt neben an – Mein Nachbar liest ein Buch von Koen van Biesen

IMG_0440

„Psssst! Ruhe. Nachbar liest ein Buch.“ Zumindest versucht er es…
Der Nachbar lässt sich so einiges einfallen, denn “ Boing Boing“ und “ La La“ , sowie „Trippel trapple “ und “ Klopf Klopf “ stören schon beim Lesen.
All diese Geräusche verursacht das Mädchen aus der Nachbarwohnung, wunderbar illustriert, denn die Buchfalz gilt als Trennwand zwischen den beiden Wohnungen. Der Nachbar hat eine gute Idee und plötzlich ist Ruhe – oder ? “ Wauwau wauwau“ erschallt es –
Eine wunderbar kleine Geschichte über Lesegenuss mit Hindernissen, ergänzt durch eine CD die die Geschichte jazzig untermalt. Toll ist auch die kostenlose E-Book-Version, die mittels Code im Buch kostenlos geladen werden kann, hier kann man per Fingerwisch die Kombination aus Bildbetrachtung und musikalischem Hörbuch starten.
Die Illustration des Buches erinnert an die 1950 er Jahre, vor weißem Hintergrund mit gedämpften Farben aber wunderbarem fast comicartigen Szenen.

Koen van Biesen, Mein Nachbar liest ein Buch, mixtvison Verlag 2014
Ab 4 Jahren
ISBN 978-3-944572-09-3, 15,90 €

Dieses Buch bietet viel Potenzial für szenische und musikalische Darstellungen mit Kindern, allein das Vorlesen kann mit vielen Klangerlebnissen angereichert werden. Auch die vielen Situationen im Buch in denen Laute artikuliert werden, regen zum Nachsprechen und Stimmmodulationen ein.

Standard